Geschieht dies nicht, entsteht im Unterbewussten des Einzelnen ein "Seelenbewegung" diese in "dunkleren" Formen nachzuvollziehen. In der Spiritualität bezeichnen wir solche Momente als "dunkle Nacht der Seele", in der Literatur ist dies der "Kreis der Hölle" oder der "Sturz in den Abgrund", wie ihn auch der Mythologe Joseph Campbell mit dem sogenannten Monomythos beschreibt.

Mit der Arbeit in Ritualräumen können wir diese "Seelenbewegungen" in sicherem Rahmen nachvollziehen. Dabei entsteht spontan ein "Größerwerden" im Sinne der Erweiterung des Selbst bis in einen Raum hinein, der alle Menschen seit Urzeiten verbindet.
Diese "Räume des Übergangs", die zur Absicherung vor allem des ungeschützten, weil undefinierten Zwischenzustandes zwischen den beiden Positionen (Anfang und Ende des Übergangs) dienten, nannte van Gennep "Übergangsriten".
Dabei arbeitete er ein Dreiphasen-Modell heraus, dem alle Übergangsriten folgen: Ablösungsphase, dann eine undefinierte und für den Einfluss übelwollender Kräfte besonders anfällige Zwischenphase und die Integrationsphase, in der die neue Identität entsteht. Allen drei Phasen entsprechen bestimmte isolierbare Untergruppen von Riten, die innerhalb des gesamten Übergangsrituals unterschiedlich gewichtet auftreten können: Trennungsriten (frz. rites de séparation), Schwellen- bzw. Umwandlungsriten (frz. rites de marges) und Angliederungsriten (frz. rites d'aggrégation).

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